Laufen / Regeneration

Trainings-Burnout

Ich kann nicht mehr. Die totale Erschöpfung hat mich erreicht – nachdem das Training für Paris neben der Arbeit immer mehr Zeit eingefordert hat, immer frühes Aufstehen verlangt und die Lauf-Umfänge sich nach und nach ausdehnen merke ich, dass es an die Substanz geht. Die wöchentlichen Gesamt-Strecken liegen in den starken Wochen um 80 Kilometer, mir fehlt Schlaf, die Tapering-Wochen als Regeneration bringen kaum Kraft zurück, ich bin müde. Richtig müde.

Inzwischen muss ich mir an den ersten Tagen nach den langen Läufen täglich eine Aspirin Complex einwerfen, um den Tag über fit zu bleiben, ich schaffe es nicht, genügend Nahrung nachzuladen, um die verbrauchte Energie zu bekommen. Ich versuche, mit Nahrungsergänzung nachzuhelfen, die Eiweiß-Shakes geben ihr Bestes, das Creatin hilft im Lauf selbst, wenigstens die Mindestanforderungen an die Pace aufrecht zu halten.

Mein Schlafumfang ist zwar ausreichend (6 bis 7 Stunden pro Nacht), aber die Qualität des Schlafes ist gruselig; ich wälze mich hin und her, ich träume intensiv, bin morgens wie gerädert. Bei manchen Läufen fallen mir die Augen zu, immer wieder muss ich Geh-Pausen einschieben obwohl ich eigentlich fit sein dürfte. Ich habe kaum Durst; ich zwinge mich zwar, so viel wie möglich zu trinken, versuche extra isotonische Getränke zu ergänzen, aber auch hier fehlt mir die nötige Konzentration.

müde

Treppen schleppe ich mich hoch, halte mich am Geländer fest. Auf dem Fahrrad durch die Stadt überholt mich so ziemlich jeder, ich hab keine Energie, ordentlich in die Pedale zu treten. Meine Beinmuskeln krampfen immer häufiger – ich bin leer. Im Kopf, in den Beinen, im Schlaf.

Für den Moment rede ich mir ein, dass es nur eine harte Trainingsphase ist, die ich durchmache. Und dass es der Kampf um das Ziel ist, der vor allem steht. Ich hoffe, dass es sich lohnen wird. Aber auch, wenn es merkwürdig klingt: keine Sekunde würde ich eintauschen, wenn ich stattdessen ohne den Sport leben müsste. Meine Lieblingszeilen aus einem Lied von „In Flames“:

„I’d rather die on my feet
than live my life on my knees“

(„Lieber sterbe ich auf meinen Füßen, als dass ich auf meinen Knien lebe“)

In diesem Sinne.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

5 Kommentare bei “Trainings-Burnout

  1. Hey, das tut mir echt leid zu hören. Ich kann dir aber aus eigener Erfahrung sagen, dass du nicht alleine damit bist. Vor meiner Verletzung war das ganz ähnlich. Ich habe nahezu jedes Training dazu verwendet meine Grenzen zu spüren. Manchmal ist das gut und es kommt plötzlich ein Schub der einem Auftrieb gibt und einen nach vorne bringt. Wenn der aber nicht kommt über Monate hinweg, man sich krank und müde fühlt, sollte man darüber nachdenken etwas zu ändern. Das ist in der Theorie so schön gesagt. Auch ich habe nichts geändert. Vielleicht hat mein Körper etwas geändert, denn jetzt kann und darf ich kaum bzw nicht mehr laufen.
    Ich habe innerhalb von 3Monaten meine Geschwindigkeit von 10.3km/h auf 12.3 ausgebaut und versucht bis zum Schluss noch weiter zu steigern. Es war ein Kampf, gegen die Müdigkeit, gegen den Schweinehund, gegen innere Kälte, ein schwaches Immunsysten, schwere Beine und oft einen hohen Puls. Und war immer drauf und dran noch einen draufzusetzen. Manchmal ging es wieder weiter, aber die Abstände in denen ich ein Hochgefühl hatte wurden immer geringer. Man möchte einfach immer mehr und meist zuviel und das rächt sich leider irgendwann, weil der Körper keine Maschine ist.
    Immer wenn ich mich verletzt habe, war das ein Break der mich gedanklich zwang mein Training unter die Lupe zu nehmen und zu verändern. Gedanklich habe ich mir schon wieder Trainingspläne ersonnen, aber ob die dann auch konsequent so umgesetzt werden, steht natürlich auch in den Sternen.

    Ein Training ohne viel Schweiß und das Gefühl an und über Grenzen gegangen zu sein, war für mich nahezu wertlos. Ich kenne das nur zu gut, man hat im Alltag keine Kraft mehr, und verbraucht das was noch übrig ist beim Laufen, kratzt sich alles zusammen wo es nur geht, nur um daran festzuhalten. Oft bin ich morgens genau so kaputt aufgestanden wie ich es abends war oder bin abends erst richtig aufgedreht und konnte gar nicht schlafen. Und wenn ich dann geschlafen war, war ich ständig wach und dazu nass geschwitzt.

    Manchmal glaube ich, dass es einfach helfen würde, wenn man einen (vernünftigen) Laufpartner an der Seite hat, der einen auch mal bremst. Ich weiß nicht, hast oder kennst du so jemanden vielleicht? Eventuell würde es dir erstmal helfen, wenn du an manchen Tagen die Anforderung einfach runterschraubst und mal 2-5km rausnimmst. Manchmal wirkt das schon Wunder, zumindest auf die Dauer gesehen. Man wird leider immer zu schnell wieder übermütig..ist ein Spiel mit dem Feuer.

    Ich hoffe sehr du findest einen Weg dich wieder zu erholen!

    LG, Jamie

    1. Vielen Dank für den Tipp – auch wenn er ein wenig Angst macht…
      In 3 Wochen ist Marathon-Lauf, bis dahin versuche ich jetzt noch, die eine „harte“ Woche durchzuboxen, dann kommt nur noch Regeneration: viel Schlafen, viel Ruhe, ein Topf Pferdesalbe, viel Wasser. Und dann gönne ich mir einfach eine kleine Pause :-) Bin immer noch begeistert von Deiner Seite – und finde es schade, dass es den NGA-Podcast nicht mehr gibt.

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