Ultra

Rodgau 2016 – 50 Kilometer mit der Twitterista

Na das war mal ein Jahres-Einstieg: den Januar schließe ich mit 339 gelaufenen Kilometern ab, während in 8 Tagen schon der Trainingsplan für den Marathon in Paris startet. Bis dahin heißt es nun: erst ausruhen und endlich ein paar Runden auf dem Rennrad drehen, bevor ich meine zarten Füßchen wieder in die Laufschuhe stecke. Das Beste hat sich der Monat dann aber bis zum Schluss aufbewahrt: die 50 Kilometer in Rodgau mit so ziemlich jedem und jeder laufenden Twitter-Persönlichkeit (oder twitternden Läuferpersönlichkeit), die man auf der Strecke treffen konnte.

Nach fast 6 Stunden Anfahrt über die Autobahnen der halben Republik und der verspäteten Ankunft im Frankfurter Umland fiel zwar ein ausführliches Carbo-Loading am Freitagabend aus, aber mit um so mehr Genuss durfte ich mich am nächsten Morgen über das Frühstücksbuffet hermachen: nicht nur das Parkhotel in Rödermark war damit eine gute Wahl (und ist damit für andere Läuferinnen und Läufer wirklich empfehlenswert), sondern auch der 3-stündige Abstand des Frühstücks zum Startschuss war perfekt gewählt. In bester Gesellschaft der @ultralaeuferin bei Tisch und auf der Fahrt zum Lauf selbst wird damit auch das große Treffen eingeläutet: der #twitterlauftreff befindet sich einfach überall – selbst wenn man die Leute gar nicht sofort und auf Anhieb erkennen konnte: noch beim Anheften der Startnummer laufe ich @rob_st in die Arme, einem der immerglücklichen BROOKS-Läufer.

Startaufstellung. Eine knappe Minute vor dem Startschuss finde ich Gottseidank noch das geplante 5-Stunden-Trüppchen um @lexusburn, @lennetaler, @SchluppenChris und @MagicMaike2311, kurz erhasche ich noch den @thorstenfirlus und erfahre auch, dass irgendwo um uns herum wohl auch @jluen, @goerdi2504 und @GUracell stehen müssen. Irgendwann später ruft mir @sportingmunich noch etwas zu (glaube ich zumindest), den @Laufspatz treffe ich leider nicht bewusst (glaube ich ebenfalls) und @Peterslaufblog dürfte weiter vorne laufen. In regelmäßigen Überrundungen flitzt immer mal wieder der @TriathlonDog an uns vorbei, den sieht man dann aber auch ganz fix schon nicht mehr. Bei Runde 9 laufe ich durch den Zuschauerbereich und höre deutlich ein gerufenes und an mich gerichtetes @blabbermaul von rechts, kann aber nicht direkt zuordnen, wer mich da wohl erkannt hat.

Na, kommt Ihr auch durcheinander? Gut so, ich nämlich auch. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit habe ich irgendwen vergessen – weil sich mir selbst nämlich schon der Kopf gedreht hat vor lauter @s und Hashtags; ich blicke kein bisschen mehr durch, wer mich wann und wo irgendwie in den Tweets während oder nach dem Lauf erwähnt hat oder wann wer wem für welchen Support gedankt hat – zuletzt weiß ich eigentlich nur: nett sind se wirklich alle.

Rodgau 2016 | I

Zugläufer. Als Frederik vor dem Lauf noch ankündigt, uns alle just in time ins Ziel zu schleppen, konnte ja noch keiner ahnen, dass er sich das tatsächlich auch genau so vorgenommen hat: während der Club der Twitterista Runde um Runde mehr oder weniger mit der Pace kämpft, droht doch sogar Gefahr, dass dem Zugläufer selbst dabei ein wenig langweilig werden könnte. Aber unser Herr der Twitter-Likes lässt sich nicht lumpen: fleißiges Fotografieren, Twittern und Spaßmachen halten ihn bei Laune, Kommunikation mit sämtlichen sonstigen Mitgliedern des Twitterlauftreffs über alle Runden hinweg verbinden den kompletten Verein zumindest virtuell miteinander – zu jedem Zeitpunkt weiß also jeder, wo denn die anderen wohl gerade sein könnten.

Rodgau 2016 | V

Runde um Runde. Etwa 30% aller Läuferinnen und Läufer sind leider motorisch nicht in der Lage, mit einem relativ großen Plastikbecher einen der aufgestellten und durchaus größeren Mülleimer zu treffen – oder teilweise vielleicht nicht einmal daran interessiert. Insbesondere das Läufer-Paar mit dem Jacken-Aufruck des TUS(?) Boppart schafft es tatsächlich, einen Meter hinter dem Mülleimer ihre Plastikbecher auf den Acker zu werfen – wo der Wind dann dafür sorgt, dass sie später vermutlich nicht mehr eingesammelt werden können. Nachricht an Euch an dieser Stelle: Ihr seid echte Idioten.

Ansonsten: weder Dramen, keine Szenen, kaum Besonderes zu berichten. Die Runden werden zum Ende hin nicht spannender (auch wenn der @SchluppenChris vor jeder einzelnen äußerst überzeugt davon war, dass die nun folgende Runde nach ihm zugetragenen Informationen angeblich ja nun wirklich die Schönste ihresgleichen sein solle); ich sehe nur einmal das Rettungsteam im Einsatz, wie sie statt eines Läufers dann aber ein Support-Fräulein aufpäppeln und schleppe mich entgegen meiner abbauenden Lungenfunktion selber Meter um Meter weiter – bis ich schließlich ein gutes Stück zurückfallen muss.

Rodgau 2016 | VII

Die Meter zum Ziel. Da verlässt mich dann ja doch die Kraft – die Knie wollen nicht mehr so ganz, während es auf dem Spann des linken Fußes zwickt; die Lunge bläht sich wohl nur noch bis zur Hälfte auf und erste Gehpausen müssen eingebaut werden, alles aber immer noch im Rahmen, solange ich unter meiner Vorjahreszeit liege.

Genau das klappt dann schließlich auch: mit 5 Stunden und 10 Minuten laufe ich nach 50 Kilometern über die Ziel-Linie; knapp 13 Minuten schneller als im Vorjahr, nicht so schnell wie im kommenden Jahr (aber natürlich!) und mit bester Laune Dank dieser tollen Gesellschaft. In diesem Sinne:

#LIKE #RODGAU50 #BACKIN2017

Rodgau 2016 | VI

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

15 Kommentare bei “Rodgau 2016 – 50 Kilometer mit der Twitterista

  1. Yeah! Glückwunsch zur Leistung. Ich habe Dich tatsächlich 2 Mal gesehen und Dir zu gerufen. Ganz sicher war ich allerdings nicht. Das nächste Mal werde ich Dich aber erkennen 😉 Gute Regeneration und weiterhin ein tolles Jahr!

  2. Gratulation Dominik, denn 13 Minuten zum Vorjahr sind super.

    Am Ende haben wir alle etwas Federn lassen müssen. Laut meiner Uhr waren wir bis Kilometer 35 auf Kurs und haben danach sowohl zu lang am VP getrödelt, als auch mit der Durchschnittspace nachgelassen. Aber hey, das ist nicht schlimm, denn so hat man doch direkt ein Ziel für das kommende Jahr, oder?

    Ich habe mich gefreut, dich zum zweiten Mal treffen zu dürfen und hatte meinen Spass dabei euch alle etwas zu motivieren, auch wenn ich dir auf den letzten Kilometern nicht mehr helfen konnte, da ich mich dort exklusiv um Christian gekümmert habe.

    Spätestens im kommenden Jahr in Rodgau sehen wir uns wieder. Vielleicht sehen wir uns aber auch vorher nochmals. Das Jahr ist ja noch jung.

    Viele Grüße aus dem Ruhrgebiet
    Frederic

    1. 1000 Dank für Deinen Support! Ich habe weder Muskelkater noch Muskelverspannungen gehabt, dafür zwickten sämtliche Bänder um die Knie und auf dem Spann der Füße – für mich heißt das, dass ich die Gelenke trainieren muss, wenn ich die Pace durchgehend halten will. Ich glaub, das probier ich mal und beim nächsten Mal laufe ich DEINE Pace 😉

  3. Das Lesen dieses Berichtes zaubert mir ein fettes Grinsen ins Gesicht. Die teilweise Überforderung mit den vielen Twitteranis, Probleme Leute zu erkennen – all das ging mit genauso.
    However, ich fands geil und es war mir ein großes Vergnügen ein paar Meter neben Dir und mit vielen anderen gelaufen zu sein.

    Bis zum nächsten Jahr!

    Thomas

    1. Das klingt vortrefflich! Im nächsten Jahr sollten wir einfach alle kleine Badges auf die Jacken oder Shirts kleben, das ist viel einfacher – mein #twitterlauftreff-Shirt vergesse ich sowieso wieder 😉

  4. Sehr cool geschrieben. Was mit unseren Ultrakollegen in diesem Jahr los war, weiß ich auch nicht. Einige haben sogar die Helfer angeblafft. Geht gar nicht!

    1. Jetzt verkrieche ich mich erstmal etwas entsetzt in irgendeine Ecke – Du schaffst es, 50 Kilometer mit einer Pace knapp über 4 Minuten zu laufen – das ist ja ein Träumchen!! Meinen größten Respekt, dazu wäre ich wohl allein schon physisch nicht in der Lage… 😀

  5. Schöne Zusammenfassung für alle, die zu Haus geblieben sind. Man liest die Begeisterung, es wird scheinbar auch jedes mehr, mehr und mehr.

    Glückwunsch zu diesem tollen Finish. Das ist ja mal eine ordentliche Verbesserung.

    1. Naja, es hätte besser sein können. Da ich weder Muskelkater hatte/habe, noch irgendwelche Probleme mit den Treppenstufen, muss da irgendwo anders das Potenzial zur Optimierung liegen… Man weiß es nicht :)

  6. Schön, dich kennengelernt zu haben. Ja, am Schluß hatten wir wohl alle ein wenig zu kämpfen. Aber wir haben fast alle gefinisht. Jetzt kann ich meine Real-Life-Liste doch um etliche Namen erweitern. Zur Verbesserung der Müllsituation sollte man an der 1 km Marke wohl noch einmal eine Tonne hinstellen. Ansonsten schöne Bilder und: Wir sehen uns in 2017.

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