Laufen / Marathon

Paris Marathon 2014

Um es direkt vorweg zu nehmen: das ging wohl ordentlich daneben. Während ich meinen letzten Herbstmarathon noch in 03:52:00 finishen konnte und guter Dinge war, jetzt im Frühjahr vielleicht sogar die 03:45:00 zu schaffen, ist eigentlich der Super-Gau eingetreten: ich war geschlagene 17 (!) Minuten langsamer. Und da man ja hinterher immer klüger ist, weiß ich auch ziemlich genau, warum – die Mischung aus schlechten Vorbedingungen und einem dicken Anfänger-Fehler waren es, die das Ziel verbaut haben.

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Die Vorbedingungen

Nun, man mag es wohl für töricht halten, dass ein Mensch während eines Marathon-Trainings darauf verzichtet, täglich zwischen 2 und 4 Litern Wasser zu trinken. Auch der verzweifelte Versuch, wenigstens in der letzten Woche vor dem Lauf noch zu hydrieren kann dann wohl nichts mehr retten – die ordentliche Regeneration und der Aufbau der Muskulatur hat wohl gar nicht erst stattgefunden. Schon in der letzten Woche wurde ich regelmäßig nachts wach, weil Waden- und Oberschenkel-Krämpfe den Schlaf unterbrechen mussten und die Muskeln einfach nur hart waren.

Dazu kommt außerdem, dass jeglicher Verzicht auf sinnvolles Rumpf- und Stabi-Training sicherlich auch eine mehr als dumme Sache war. Aber nach morgendlichem Aufstehen um 5:30 Uhr und dem Heimkommen von der Arbeit um 20 Uhr war mehr einfach nicht drin – irgendwann musste der Körper mal ausruhen.  Zu guter Letzt: eine Woche vor dem Lauf kommen noch Bindehautentzündung, die Entzündung der Hand und weitere kleine Wehwehchen dazu, die einfach stören.

Immerhin: Spaß gehabt

Zusammen und in bester Begleitung war zumindest das Wochenende in Paris wieder einmal großartig – und unsere AirBnB-Spelunke ein gelungenes Örtchen für einen typischen Besuch in der französischen Hauptstadt.

Der Marathon: mein Anfänger-Fehler

Ich sag einfach mal: dümmer geht’s nicht. Als ich bei Kilometer 5 im Lauf feststelle, dass ich mich supergut fühle und ich zeitlich sogar richtig Luft habe, entscheide ich mich doch ernsthaft dafür (ich traue mich gar nicht, es zuzugeben…), statt der 03:45:00 vielleicht doch etwas Gas zu geben und meine Zielzeit um zusätzliche 10 Minuten zu erhöhen. Statt der erforderlichen Durchschnitts-Pace von 05:20 Min/km laufe ich also einfach mal 5:00 Min/km – und vernichte dabei sämtliche Kraftreserven, die ich vielleicht doch noch gehabt hätte.

Ab Kilometer 15 krampfen die Oberschenkel das erste Mal, ab Kilometer 20 kommen die Waden dazu. Bei Halbmarathon-Distanz liege ich schon 6 Minuten hinter der Zielzeit, ab Kilometer 25 krampfen sogar die Unterarme (WTF?) und die Schultern (Hallo??). Schließlich merke ich, dass ich durch bin – bei 30 Kilometern müsste ich schon eine Pace unter 5 Minuten laufen, um noch unter die 4 Stunden-Grenze zu kommen – Laune, Energie, Willen gehen komplett flöten.

Einfach durchbeißen

Ich denke zwischendurch tatsächlich drüber nach, einfach abzubrechen – aber spätestens als der riesige Läufer mit dem T-Shirt „Légion étrangère“ (Fremdenlegion) vor mir abbricht und sein Kollege von der französischen Marine ebenfalls aussteigt, nehme ich mir vor, dass ich es durchziehe – und ab jetzt habe ich Spaß an der Sache. Am Straßenrand verteilen sie Weingummi, ein paar Elsässer schenken Wein aus, hier und da wird kurz geschnackt. Ich schließe mich an: eine kleine Waffel gegen den Hunger, ein paar Schluck Wein gegen die Laune, ein paar letzte Kilometer ins Ziel.

Am Ende heißt es einfach: Haken dran, besser machen. Und beim nächsten Mal werden die verdammten 03:45:00 erreicht, das VERSPRECHE ich.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

6 Kommentare bei “Paris Marathon 2014

  1. Ja man ärgert sich wenns daneben geht, aber knapp über 4h ist noch immer gut und dann wird der nächste Marathon halt unter 3:45. Dein Trainings burnout konnte ich gut nachvollziehen, da stecke ich auch gerade drin 😉 habe aber noch knapp 4 Wochen bis zum Marathon in HH!

    1. Dann lass Dir gesagt sein: lieber einen Lauf ausfallen lassen und kurz sammeln. Ich glaub, das wäre am Ende besser gewesen… Aber so oder so: drücke die Daumen für Hamburg – guten Lauf, viel Puste und lockere Waden! 😉

  2. Heydu, ich gratuliere dir trotzdem zu deinem Durchhaltevermögen 😉 Selbstmotivation, besonders in schwierigen Situationen, ist ein kostbares Gut..
    Und das mit dem Trinken kann man sich wirklich angewöhnen. War auch nie so der viel-Trinker, aber wenn man das ein paar Wochen durchzieht, gewöhnt sich der Körper daran. Unschön ist dann nur, wenn man viel unterwegs ist und dann vergisst zu trinken..da wird mir mittlerweile ganz komisch.

    Ich finde die Zeit reinholen zu wollen ist gar kein Anfänger-Fehler, das ist einfach kopfloser Ehrgeiz, den ich auch kenne. Sobald man sich gut genug fühlt, fängt man an zu übertreiben.. Verhält sich (bei mir) bspw. genau so, wenn ich krank war und ein paar Stunden später denke ich dürfte jetzt Bäume ausreißen gehen.

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