Gesundheit / Marathon

Mein halber Köln Marathon

Eigentlich fing alles ganz fein ein – das Wochenende im guten, alten Köln startete mit rheinländischem Herbst-Wetter, bester Laune und dem schönen Gefühl, nach langer Zeit mal wieder die ehemalige Zwischen-Heimat zu sehen. Die Marathon-Messe zeigte sich klein, aber fein und mein dort eingesammelter Lauf-Beutel überraschte direkt in zweierlei Hinsicht: das untypisch hochwertige Material des Beutels selbst, sowie besonders zwei spannende Ingredienzen – ein Kölsch-Glas und ein Kondom – toppten wohl so ziemlich jeden Inhalt, den es bisher bei einem Lauf geschenkt gab. So ist das ist eben in Köln: ein nettes Statement über das man lächeln kann.

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Der Tag vor dem Marathon

Keine Besonderheiten. Wir genießen ein paar entspannte Stunden am Rhein, ich laufe die ein oder andere Ecke ab, an der ich mich während meiner Kölner Zeiten hin und wieder rumgetrieben habe und schone mich eher ein bisschen: schließlich muss ich EXAKT den Ablaufplan umsetzen, den ich mir so detailliert zurechtgefummelt habe. Der Vortag eines solchen Laufes ist schließlich ziemlich wichtig: genug Ruhe, genug Wasser trinken, abends genug essen – diese sonst alltäglichen Dinge müssen akribisch genau stattfinden.

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So richtig fantastisch fühle ich mich allerdings nicht: seit knapp 10 Tagen drückt schon mein linker Knöchel recht unangenehm; vor 2 Tagen fängt dann auch der rechte Knöchel an, sich zu melden. Bisher konnte ich das „Problem“ recht gut ignorieren: da ich inzwischen sowieso in der Tapering-Phase war und die Wochenkilometer damit deutlich weniger wurden, habe ich so einfach mal darauf gehofft, dass es damit schon von allein besser werden würde – denn hin und wieder zieht und zwickt es ja immer mal hier und da; jünger wird man nun wirklich nicht. Am Ende kam es dann doch ein wenig anders…

Es ist so weit: Der Marathon

Guten Morgen Köln! Tatsächlich spielt das Wetter zumindest bis kurz vor dem Start noch richtig gut mit: die Sonne scheint und der Himmel ist blau. Gegen 9 Uhr breche ich auf in Richtung Start; auf dem Weg dorthin kommen mir schon die Halb-Marathonis entgegen, die von diesem Wetter also noch deutlich mehr mitbekommen – und gut gelaunt die ersten Kilometer zurücklegen. Das macht Laune und hebt die Stimmung – dazu kündigen sich Axel von Outdoorseite.de und sein Begleiter Jörg an; Axel habe ich seit dem BROOKS Blogger-Treffen in Amsterdam nicht mehr gesehen – es wird mal wieder Zeit.

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DNF – Ich steige aus

Ich hätte nicht gedacht, dass es so laufen würde – oder eben auch nicht laufen würde: ich hatte mich wirklich gut vorbereitet, immer fleißig trainiert, genügend lange Läufe im Training absolviert. Ich war gut erholt, gut hydriert, nicht müde und noch hoch motiviert, dazu war es als mein Lauf der „runden Zahlen“ gedacht: vor 5 Jahren lief ich in Köln meinen ersten Marathon, dieser Lauf sollte mein 10. Marathon werden, der Köln Marathon selbst fand dieses Jahr zum 20. Mal statt – und ich starte in wenigen Tagen in mein 40. Lebensjahr. So war es geplant, es klang einfach schon großartig – und dann auch noch in meiner alten Stadt, da konnte ja nichts schiefgehen!

Eigentlich.

Durch das recht volle und enge Startfeld verlief der erste Abschnitt wirklich schleppend – bis Kilometer 2 liefen wir deutlich unter der eigentlichen Pace, so dass wir dann tatsächlich recht schnell gezwungen waren, Tempo gut zu machen. Schon nach den ersten 10 Kilometern wusste ich dann eigentlich, dass ich niemals im Ziel am Dom ankommen würde: der linke Knöchel schmerzte sehr mit jedem Schritt, nur der rechte Fuß war noch leidlich zu ertragen. Diverse Abschnitte auf Kopfsteinpflaster der Kölner Südstadt machten es schließlich noch schlimmer, die schwindende Motivation und die entsprechende Laune gaben ihren Teil dazu; es war schnell klar, dass ich so nicht weitermachen können würde.

Bei KM18 schere ich aus, rufe die Liebste im Hotel an – „Ich bin raus, ich komme jetzt zurück“. Wirklich frustrierend, dieses Gefühl. Erst überlege ich noch, mich irgendwie ins Ziel zu kämpfen – aber über weitere 22 Kilometer hätte ich so wohl eine mal wieder sehr ungeliebte Marathon-Zielzeit aufzuweisen, die ich endlich mal hinter mir lassen wollte; eine 4 vor der Zeit will ich einfach nicht mehr akzeptieren. Bis zur HM-Distanz bleibe ich schließlich noch auf der Strecke – die liegt grob auf dem Weg, so dass es kaum einen Unterschied macht – dann ist Feierabend.

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Diagnose: Peronealsehnen-Entzündung

Die Diagnose kommt fix. Mit der Chiropraktikerin an meiner Seite und einem erfahrenen Orthopäden als Schwiegervater in Spe werde ich noch am gleichen Abend eingehend untersucht – schon ein leichter Druck unter den Knöchel lässt mich an die Decke springen. Diese Sehnenansatz-Störung – oder Peronealsehnen-Entzündung findet sich wohl recht oft bei Läufer/innen oder Sportler/innen allgemein: meist durch Überlastung, oft durch Überdehnung bei einer Fußfehlstellung werden diese Sehnen beansprucht und beginnen in verschiedenen Ausprägungen zu schmerzen.

Der neue Schuh

Ich vermute, dass es am neuen Schuh-Modell liegt. Natürlich habe ich mir nicht frisch vor dem Marathon neues Schuhwerk zugelegt, das wäre ja auch dumm: fast 6 Wochen war es inzwischen her, eigentlich ist das deutlich genug Abstand zum Marathon selbst, wenn es um neue Treter geht. Aber eben auch genug Zeit, um – sofern das Fußbett meinen Füßen nicht gefällt – langsam und unbemerkt meine Sehnen zu überdehnen, bis es dann am Ende doch zu viel wird. In Kombination mit den langen Läufen liegt es wohl daran.

Die Behandlung

Ruhepause. Ein bis zwei Wochen muss ich nun die Beine still halten, was das Laufen angeht. Zwei Mal täglich kühlen, dazu Entzündungshemmende Tabletten und erstmal nur auf das Rennrad – immerhin kann ich mich so noch bewegen, sonst würde ich wohl an Lagerkoller durchdrehen. Neue Schuhe müssen auch her – das ist natürlich klar. Aber dann – dann gilt: #comebackstronger

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Video: Am Start war noch alles gut.


End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

10 Kommentare bei “Mein halber Köln Marathon

  1. oh je. Erstmal gute Besserung. Musste auch 6 Wochen wegen Fußschmerzen pausieren und ich glaube, dass es auch die Peronealsehne war, aber wer weiß das schon so genau:D

    Absolut richtige Entscheidung getroffen. Manchmal soll es eben nicht sein.

  2. Kenne ich…mein Beileid hast du 😉 Zu diesem ungeliebtem Sehnenproblem, gesellten sich dann noch richtig fiese Achillessehnen-Schmerzen. Auch ausgelöst durch neue Schuhe, mit weniger Sprengung. Die Achillessehne merke ich heute noch untergründig..naja was heißt schon „heute“, ist ja kaum über einen Monat her. DNFs sind echt unschön, aber die Erfahrung nimmt man trotzdem mit…und wenn man ganz viel Glück hat und eventuell weiser wird, dann kommt man vielleicht doch noch stärker zurück als man in die Sache geschlittert ist. Wünsche dir eine schnelle, gute Besserung (und was ein Glück, dass man aufs Rennrad oder MTB ausweichen kann!)

  3. Genau da hat es bei mir auch schon mal geschmerzt. Es wurde auch ziemlich schnell dick, insofern brauchte ich keinen Arzt aufsuchen, um zu wissen, dass erst mal Laufpause angesagt ist.

    Kopf hoch – wird wieder!

  4. Oh, schade. Aber was nicht geht, geht eben nicht und die Gesundheit geht vor! War definitiv die richtige Entscheidung. Ich drücke dir die Daumen, dass es nächstes mal wieder nach Plan läuft!

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