Equipment / Lese-Tipps

Laufen und Plastikmüll

Ich hab da mal ein bisschen recherchiert. Naja, wollen wir’s nicht übertreiben: ich hab rumgegoogelt.

Tatsächlich interessiert mich ja immer noch, ob und in wiefern die bei großen Lauf-Events eingesetzten Mengen an Plastikbechern, Tüten und Material vielleicht durch ökologisch vollständig abbaubare Materialen ersetzt werden könnten. Also wirklich vollständig – nicht zu 50% oder erst in 250 Jahren vergänglich, sondern zeitnah und so, dass kein bleibender Schadstoff entsteht; im besten Fall gleichzeitig aus nachwachsenden Rohstoffen.

Am Ende will ich einfach wissen: können wir irgendetwas tun, um die Müll-Mengen zu reduzieren oder weniger schädlich zu machen? Dabei kam doch glatt eine kleine Überraschung heraus…

Laufen und Plastikbecher

 

Schritt 1 – Der beliebteste Ersatz-Stoff: PLA (Polymilchsäure)

Bei „Moonen natural“ bin ich auf PLA-Produkte gestoßen, die laut Beschreibung eigentlich jeden für Lauf-Events relevanten Einsatz erfüllen könnten: als Trinkbecher und als wärmende Tüten zum Überziehen könnte dieser Grundstoff als eine perfekte Alternative zu bisherigen Plastik-Stoffen dienen. Das Zeug wird aus Zucker, bzw. aus Mais-Stärke gewonnen, welcher – zumindest laut Website – kein Futtermais und nicht für Menschen oder Tiere geeignet ist. Dazu kommt als kleine Herausforderung allerdings direkt, dass laut Wikipedia das Kompostieren und Abbauen des Grundstoffes nur in industriellen Anlagen möglich ist – nicht jedoch im privaten Bereich. Soweit eigentlich schon mal doof.

Dabei ist PLA grundsätzlich vielleicht eine Alternative, sofern die Entsorgung durch entsprechende Anbieter also organisatorisch gewährleistet wäre. Was sich mir aber nicht ganz erschließt: ebenfalls laut Wikipedia ist der Grundstoff PLA nur dann zur Weiterverarbeitung geeignet, wenn er durch Zusetzung weiterer Materialien (Additive) aufbereitet wird. An dieser Stelle hört mein chemisches Fachverständnis zur weiteren Bewertung von PLA dann aber  schon mal auf, so dass ich mich noch ein bisschen weiter auf die Suche nach Informationen mache.

Schritt 2 – Die Überraschung: „bio“ ist gar nicht so bio?

Bei der weiteren Recherche bin ich dann auf einen Bericht gestoßen, der eigentlich ein bisschen enttäuscht – aber nur, weil er eben die Realität aufzeigt: die Öko-Bilanz von Bio-Kunststoffen ist nicht wirklich besser, als die von Plastik-Stoffen. Insbesondere zeigen das folgende Fakten:

  1. Produkte aus Bio-Kunststoffen haben fast immer einen höheren Materialbedarf, so dass die eingesetzten Ressourcen belastet werden
  2. Es werden fast immer 40% bis 70% fossiler Grundstoffe zugesetzt, so dass die Entsorgung fast genauso umweltbelastend ist, wie bei Plastik-Stoffen
  3. Die Nutzung von Bio-Kunststoffen hat aktuell in der Bilanz tatsächlich kaum einen Vorteil, ist fast noch ein bisschen schwieriger.

In der Quelle heißt es zusammenfassend:

„Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen haben nach den gegenwärtigen Ökobilanzen insgesamt keine Vorteile gegenüber denen aus konventionellen Kunststoffen. Zwar entsteht bei Produktion, Gebrauch und Entsorgung biologisch abbaubarer Verpackungen weniger CO2 und es wird weniger Erdöl eingesetzt, doch stehen dem nachteilige Effekte auf Boden und Gewässer durch Versauerung und Überdüngung gegenüber.“

Den vollständigen Bericht gibt es hier – inklusive der dort verwendeten Quellen, die man sich gern mal durchlesen sollte, wenn man Interesse an den Hintergründen zum Thema hat. Was aber können wir als Sportler und als Teilnehmer solcher Lauf-Events nun tun, wenn es keine echten Alternativen gibt?

Dazu unbedingt auch zu lesen: dieser Beitrag von Läufer pro Umwelt (Infos zu Plastikbechern und Ersatz)

Meine Empfehlungen für Läufer:

Grundsätzlich ist es ja ganz einfach – wir verzichten eben auf Plastik. Und eigentlich ist das kein großes Ding, sondern nur ein organisatorischer Aufwand, der sich durchaus planen lässt.

  • Wer vor dem Lauf friert: entweder wärmer anziehen (Armlinge und Mütze helfen!) oder jemanden dabei haben, dem man kurz vor dem Lauf eine Jacke abgeben kann. Die Plastiktüten zum Überziehen wirklich nur nehmen, wenn es gar nicht anders geht – und wenn, dann nicht irgendwo unterwegs in die Natur schmeißen. Der Wind weht das Zeug nämlich auch so weg, dass die nachfolgenden Reinigungskräfte nicht alles finden.
  • Beim Lauf: an den Versorgungsstationen nicht zu den Plastikbechern greifen. Manche Events verwenden Becher aus Pappe, das ist schon mal besser – aber wenn nur Plastik geboten wird, dann vielleicht doch einen Trink-Gürtel verwenden oder einen Trinkrucksack einsetzen. Beides kann wiederverwendet werden und macht damit keinen Müll. Wenn beides nicht geht, dann die Becher wenigstens in die aufgestellten Mülleimer werfen – NICHT in die Natur!
  • Nach dem Lauf: wer jetzt friert, sollte direkt duschen gehen oder sich warme Kleidung überziehen. Es müssen sich nicht zigtausend Menschen in die Wärme-Folien vom Roten Kreuz einwickeln, nur um noch ein bisschen rumzustehen. Das Zeug ist noch schlimmer als Plastik.
  • Sich informieren! Ich empfehle allen Läufern, mal ein bisschen mehr bei „Läufer pro Umwelt“ reinzulesen, dort erfährt man auch eine Menge zu dem Thema. Wir sind Outdoor-Sportler – also sollten wir dieses Umfeld auch schützen!

Quellen und Links:

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

2 Kommentare bei “Laufen und Plastikmüll

  1. Seinen eigenen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, sollte das erklärte Ziel eines jeden Läufers sein. Leider sieht die Realität, auch abseits von Laufveranstaltungen, ganz anders aus.
    Schön, dass Du das Thema hier zur Sprache bringst.

    Gruß nach Berlin!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *