Laufen mit Hund / Sonne

Laufen in Spanien – Trails mit Meerblick

Ich habe mich schätzungsweise 12 Monate auf das Laufen in Spanien gefreut – darauf, endlich wieder meine geliebten „Heim-Strecken“ an der Costa Blanca zu laufen. Aus irgendeinem Grund mag ich es nämlich, mich bei mehr als 30 Grad über die staubigen Trails zu quälen, lediglich beobachtet von ein paar wilden Perros*, verstecken Serpientes* oder sehr neugierigen Conejos*. Wenn ich von Trails spreche, dann meine ich zwar keine 800 Meter hohen Ultra-Strecken, sondern doch eher herkömmliche Entfernungen bis 25 Kilometer und mit 100 bis 250 Höhenmetern – aber der Spaßfaktor und die Vielfalt der Strecken selbst sind einfach absolut großartig.

Das Flair einer echten Sierra

Die erwähnten Hausstrecken liegen zwischen der beschaulichen Küstenstadt Guardamar del Segura und der Gemeinde Rojales an der Costa Blanca – und aufgrund des sehr trockenen und heißen Klimas fühlt sich hier eigentlich jeder Lauf wie ein kleiner Wüstenlauf an, so viel steht fest. Die trockene Landschaft (zu dieser Jahreszeit), die dornigen Büsche, die diesem Klima trotzen und die gelegentlich sichtbaren Kaninchen-Skelette geben einem das hin und wieder mal das Gefühl, man laufe gerade durch die Sierra Nevada – auch wenn man dann doch weiß, dass es bis zur nächsten Ortschaft gerade mal wenige Kilometer sind.

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Gerade die Temperaturen können leicht unterschätzt werden: der ab und zu leichte Wind wird auf höheren Strecken sehr angenehm – und schnell vergisst man dabei die Dehydrierung und die Wirkung der Sonnenstrahlen, weil man sie weniger wahrnimmt. Gottseidank hatte ich dieses Mal (im Gegensatz zum letzten Jahr) meinen Trinkrucksack dabei: eine Flasche Iso für mich, eine Flasche Wasser für den Hund (wenn er dabei war) und die „Notfallration“ Wasser in der Trinkblase – die war allerdings schon nach 20 Minuten Pipi-warm.

Übrigens: für meinen einzigen langen Lauf habe ich mir vor Ort im Supermercado ein paar Lauf-Gels des spanischen Herstellers Loadingroup.com gekauft, die mir extrem gut gefallen: die sind nämlich viel flüssiger, als unsere Gels hier und damit besonders bei höheren Temperaturen viel einfacher runterzukriegen (aus gleichem Grund habe ich mir einen ganzen Beutel für Deutschland zugelegt…).  

Laufen in Spanien I

Das Laufen in Spanien und speziell auf diesen Trails hat es in sich: sämtliche Strecken sind von Steinen, kleinen bis größeren Felsen, Wurzeln oder auch Löchern in der Erde überzogen, so dass es hier jederzeit und unbedingt wichtig war/ist, den Blick immer auf dem Boden zu halten, soweit es möglich war. Ich habe versucht, immer genau darauf zu achten, wo ich hin trete und wie ich meine Füße aufsetze; teilweise ging das ordentlich auf die Knie, besonders wenn es bergab ging – für einen Berliner Flachland-Läufer ist das endlich mal eine gute Übung. Gleichzeitig hieß das natürlich, dass ich für die Fotos jedes Mal stehen bleiben musste, aber ich laufe dort sowieso nicht auf Zeit oder für irgendeine Pace: es geht mir ausschließlich um das Gefühl und die schöne Aussicht auf den Strecken.

Laufen in Spanien II

Was ich besonders genossen habe: den Geruch der Wärme. Es fällt schwer, das zu beschreiben, aber das Holz der Büsche und wenigen Bäume riecht durch die Hitze sehr angenehm, gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass selbst der warme Boden riecht. Zusammen mit den Blüten verschiedener Pflanzen und der warmen Luft gibt das einen wirklich unbeschreiblichen Duft – den ich am Liebsten eingefangen hätte.

Laufen in Spanien III

Ich bin fast jeden Tag draußen und unterwegs gewesen – meist mit dem Hund, manchmal aber auch ohne. Das Schönste war, immer wieder neue Trails zu finden, die ich weder vom letzten Jahr, noch vielleicht von den Vortagen kannte; manchmal war sogar richtiges Klettern angesagt. Man klettert übrigens relativ fix, wenn einem erstmal eine Echse vor lauter Schreck aus dem Gebüsch entgegen springt.

Laufen in Spanien IV

Was ich am Laufen in Spanien genauso liebe, wie am Laufen in den frühen Berliner Morgenstunden: man ist ALLEINE. Ich mag es ja überhaupt nicht, bei dieser Beschäftigung von irgendeiner Zivilisation belästigt zu werden; es sei denn, es sind hin und wieder andere Läuferinnen oder Läufer, die dabei zwingend die Klappe halten. Nichtsdestotrotz: auf den Trails hier in Spanien kommen einem sehr selten andere Läufer entgegen, dafür aber immer mal wieder ein paar Mountainbiker, die diese Strecken ebenfalls gern nutzen. Vorsatz für’s nächste Jahr: vor Ort ein Bike mieten oder eins mitbringen, das dürfte ziemlich fetzen.

Laufen in Spanien XI

Im Gegensatz zum letzten Jahr waren dieses Mal diverse Abschnitte meiner Strecken mit Bienen-Körben versehen – allerdings war von den Bewohnerinnen weder etwas zu hören, noch zu sehen. Ich habe keine Ahnung, ob die nur zu bestimmten Tageszeiten rauskommen, aber ich kann sagen, dass es die eigene Pace IMMENS beschleunigt, wenn man an diesem Schild vorbeikommt – und ausgerechnet danach irgendwas am Ohr vorbeisummt. Da wirste dann doch verdammt schnell…

Laufen in Spanien V

Hinter fast jedem Busch wohnt hier übrigens eine Kaninchen-Familie: das Gebiet hier ist ausgewiesenes Jagd-Gebiet (sonntags), und die Jäger haben in den Sierras verschiedene Futterstellen eingerichtet, damit die Kaninchen wohl immer gut versorgt sind – das dürfte die Vermehrung unterstützen. Für mich als Vegetarier ist das zwar etwas pervers, aber ich kann nicht sagen, dass die Tiere es hier in der Natur schlecht hätten, während die Menschen dort tatsächlich zum Verzehr jagen. Ist trotzdem nicht meins – allerdings steht der Hund total drauf.

Wenn Du grad denkst, der Vierbeiner wäre jetzt offensichtlich mal relativ terminado, dann kommt aus irgendeiner Ecke ein Conejo geschossen, die Dame wandelt sich von terminado in Terminator und versucht unter merkwürdigsten Geräuschen einen Jagd-Trieb auszuüben, den ich so noch nicht von ihr kannte – daher war hier sowieso absoluter Leinenzwang angesagt.

Laufen in Spanien VI

Auch schön: auf manchen Strecken-Abschnitten ist der Boden nicht nur steinig, sondern gar nicht richtig fest und ziemlich rutschig, was mindest genauso auf die Knie und die Kondition geht, wie ein Lauf berghoch. An diesen Stellen war es dann doch wieder ganz nützlich, wenn plötzlich eine Conejo den Weg kreuzte: auch wenn den Hund recht klein ist, eignet sich die Dame ganz gut als Zug-Hund, wenn es drauf an kommt…

Laufen in Spanien VII

Fast täglich habe ich gehofft, irgendwo auf der Strecke mal eine Schlange zu sehen; an der Costa Blanca gibt es mindestens 8 verschiedene Arten, von denen 5 nicht giftig sein sollen (da unterscheiden sich die Meinungen je nach Quelle). So sehr wir auch die Augen offen hielten: ziemlich lange blieb uns (dem Hund und mir) so ein Erlebnis verwehrt, die Tier-Vielfalt begrenzte sich dann eher auf Echsen, zerlegte Kaninchen und kleine Raubvögel, die allerdings nicht weniger spannend waren.

Laufen in Spanien VIII

Gerade im Schatten der größeren Felsen hatte ich Schlangen vermutet – und auch deshalb zog ich es immer vor, den Hund an der Leine zu halten: Madame muss ja überall ihre Nase reinstecken, was nach Kaninchen-Bau riecht. Da ich aber – wie oben geschrieben – auch sehr darauf fokussieren musste, wo ich hin trete, war es nicht zu leicht, gleichzeitig die Felsen und Hänge im Auge zu behalten.

Laufen in Spanien IX

Zumindest tote Schlangen gab es dann zu sehen: diese war die Zweite, die an einem Straßenrand lag. Es ist schwer zu sagen, ob sie überfahren wurde, oder ob das passierte, als sie schon tot war. Allerdings fallen mir wenig natürlich Feinde ein, außer die gelegentlich durchfahrenden LKW. Ich habe keine Ahnung, ob diese Schlangen vielleicht von Greifvögeln gefangen werden; das wäre auch eine Option.

Kurz vor Ende des Urlaubs passierte es dann, dass wir tatsächlich auf eine lebendige Schlange trafen: wir laufen gerade einen schmalen Weg entlang, als rechts neben uns eine Schlange aufschreckt – vermutlich hat die sich genau so vor uns, wie wir vor ihr erschrocken. Während der Hund als erste Reaktion spontan in die Luft springt, schlängelt sich der Besuch äußerst schnell (ich wusste gar nicht, wie schnell die sein können!) vor uns durch den Sand in das Gebüsch und verschwindet. Sehr cooles Erlebnis, fast wie einen Hai beim Tauchen zu sehen…

Laufen in Spanien X

Am Ende bleibt zu sagen: ich liebe diese Trails. Aber den anderen Läuferinnen und Läufern unten im Ort habe ich dann doch lieber verschwiegen, dass es sie gibt – die will ich nämlich nicht teilen.

Weitere Bilder von diesen Läufen findet Ihr in der Bilder-Strecke „Costa Blanca Trails 2016„.


*Perros = Hunde
*Serpientes = Schlangen
*Conejos = Kaninchen

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

2 Kommentare bei “Laufen in Spanien – Trails mit Meerblick

  1. Hi,

    klasse Bilder! Ich bin ja absolut kein Hitzeläufer, zumindest nicht hier in Deutschland. Trockene Hitze finde ich aber klasse, das hat mir damals auf Fuerteventura sehr gut gefallen. Kommt dann noch etwas Wind dazu wirds echt tückisch, weil man die Temperatur und den Flüssigkeitsverlust leicht vollkommen unterschätzt.
    Wenn ich den Bericht lese, habe ich das eines total verschwitzen und vom Staub dreckig braunen Läufers im Kopf. Sehr genial, wie son Gringo im Wilden Westen :)

  2. Hi, du bist der Abenteurer pur, wenn es so etwas überhaupt gibt, das gefällt mir, passt auch gut zu deinem Äußeren, dann noch mit Hund !

    Für mich wäre das auch nichts, ganz alleine durch Spaniens heiße “ Steppen “ zu laufen, dafür bin ich zu ängstlich, mal ganz abgesehen, dass für mich die Hitze der größte Feind beim Laufen ist. Danke fürs Mitnehmen – hat Spaß gemacht ! 😎

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