Gesundheit / Muskulatur

Laufdiagnostik und Spiroergometrie

Das war einfach mal an der Zeit – irgendwie musste ich ja mal rausfinden, was bei mir der Grund für den Leistungsabfall im letzten Jahr war, so dass das Geburtstagsgeschenk der Liebsten an dieser Stelle perfekt platziert war: eine Leistungsdiagnostik inklusive Spiroergometrie im Zentrum für Sportmedizin Berlin. Siehe da: das Ergebnis ist in seiner Form durchaus logisch!

Das Wichtigste für mein Ego aber vorab: „Sie haben die Sauerstoff-Aufnahmefähigkeit eines 25-Jährigen.

Falls Ihr nicht richtig mitgelesen habt:

EINES

25-JÄHRIGEN!

giphy

Eigentlich hat mir das ja schon gereicht, ich hätte mit dieser Information auch schon zufrieden aufstehen und gehen können; allerdings gibt es da ja auch noch ein paar andere, für das Training noch relevantere Werte.

Nach einer Vorbesprechung mit dem Arzt („OHA. Ob wir mit DEM Bart eine Spiro machen können, das weiß ich nicht!„) und dann mit der Assistentin („Uuuuh, ob wir mit DEM Bart eine Spiro machen können, das weiß ich auch nicht!„) werde ich kurz eingewiesen, dann ausgemessen (ich bin übrigens einen halben Zentimeter gewachsen) und durchgecheckt. Ratzfatz zückt die Dame einen Rasierer, um schnell das Brusthaar zu entweihen (fürs EKG) und stülpt mir noch fix ein Netzhemd über (damit alles hält, sieht aber trotzdem total bescheuert aus). Wir stellen gemeinsam fest, dass die Atem-Maske wohl dicht ist – und ich darf endlich loslaufen…

Ich muss jetzt nicht jeden einzelnen der gemessenen Werte hier besprechen, das würde insgesamt wohl recht langweilig werden, aber im Großen und Ganzen kam schließlich heraus, dass ich a) durchaus eine gute Grundlage habe und b) mein Marathon-Ziel mit Sub4 eigentlich hätte schaffen können. (Überraschung.)

Das eigentliche Problem liegt im Detail meiner bisherigen Berechnungen: ich habe mir meine Pulsbereiche bisher aus Standard-Formeln berechnet, was einfach völlig daneben, bzw. unter dem lag, was ich hätte trainieren sollen. Heißt: während ich meine langen, langsamen Läufe immer im Pulsbereich von maximal 138 gelaufen bin, hätte ich das von vornherein schon bei 165 Schlägen machen sollen – so kann man das dann auf all meine Trainingseinheiten anwenden. Ich habe also nicht wirklich richtige Trainingsanreize gesetzt und mich im Bezug auf die Leistung gar nicht weiter entwickeln können – ich habe eher „dauer-regeneriert“.

Spiroergometrie

Natürlich fand ich auch meine Intervall-Läufe schon recht anstrengend, hatte aber nie das Gefühl – wie andere es oft beschreiben – dass diese Einheiten SO wahnsinnig schlimm wären. Damit ergibt sich auch, warum ich 2013 deutlich besser war: ich habe damals im Schwarzwald trainiert, inklusive ordentlichen Höhenmetern , während ich hier in Berlin fast ausschließlich flach laufe. Zu jener Zeit waren meine Pulsbereiche also ganz einfach durch puren Zufall da, wo sie sein sollten (ich messe erst seit diesem Jahr meinen Puls aktiv beim Laufen).

Es ist also recht banal: die Voraussetzungen sind alle da, meine Trainingspläne waren auch gut aufgebaut – ich muss einfach etwas mehr Schub geben und nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit dem Kopf laufen. Damit kann ich sehr gut leben.

#runhappy

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

12 Kommentare bei “Laufdiagnostik und Spiroergometrie

  1. Aber wenn ich das richtig rauslese, dann kannst du laut Test 5:18 durchlaufen, das wäre ja weit unter 4h. Selbst wenn du am unteren Bereich läufst, dann solltest du schnell genug sein. Ist halt jetzt nur die Frage mit der Fettverbrennung, ob dir der Sprit reicht.

    1. Mein VOmax ist 45, sollte in meinem Alter aber wohl bei 36,5 liegen – die 45 sind eher die Leistung des erwähnten 25jährigen :-)

      Geschwindigkeit + HF siehst Du beide auf der Grafik im Post…

  2. Interessant, interessant. Da fällt mir gleich einiges ein, nur das hier zu schreiben, da bräuchte es einen ganzen Artikel dazu.
    Diese Art der Leistungbilanz und des Trainings-/WK-Zustandes zu ermitteln, das mache ich schon seit 2009, 2x jährlich. Ganz nach dem Motto, wer von seinem Körper viel (alles) abverlang, der sollte auch wissen, wie es ihm geht. Ein Auto im roten Bereich und ohne Öl läuft auch nicht lange.
    Aber drei Anmerkungen möchte ich zum Nach-/mitdenken mit auf den Weg zu neuen Ufern geben.

    1. Eine Leistungsdiagnostik ist max. eine Momentaufnahme, die nix garantiert. Mögliche zu laufende Zeiten schon garnicht, sind ein maximaler Anhaltspunkt.
    2. VOmax ist 45. Hm, wenn ich in deinem Alter nur mit 45 durch die Botanik hatsche, dann darf ich mich über die Leistungen nicht Wundern. Meiner liegt bei 64,9 und ich habe den 60er hinter mir. Also, da ist noch enorme Luft nach oben.
    Ach ja, wenn 36,5 der Standard ist, dann gute Nacht. OK, zum Fernsehschauen reichts. 😉
    3. Deine Aussage – Zu jener Zeit waren meine Pulsbereiche also ganz einfach durch puren Zufall da, wo sie sein sollten (ich messe erst seit diesem Jahr meinen Puls aktiv beim Laufen). – gibt dir eigentlich schon die Antwort.
    Mein Rat: lass ihn wieder zu Hause, denn den brauchst du nicht wirklich. Schule dein Körpergefühl und laufe nicht ständig mit einem Leistungsbegrenzer herum. Ich weiß, da werden jetzt wieder einige, viele? aufschreien, aber glaubt mir, diese Dinger (Pulsmesser) braucht man nicht.

    Wünsche dir auf deinem neuen Weg mehr Erfolg, ich lese mit! 😉

    Alles Gute aus Tirol – Christian

    1. Nur leider reicht das Körpergefühl meiner Meinung nach nicht immer ganz so aus. Das kommt aber stark darauf an, was für ein Typ Mensch man ist. Der eine unterfordert sich vielleicht, ein anderer überfordert sich. Mir geht es zumindest so, dass ich zwar den Puls gesehen aber nicht sonderlich beachtet hatte und immer an oder über meinen Grenzen gelaufen bin, was mich irgendwann nicht mehr weiter gebracht hat. Von daher finde ich so eine Diagnostik sehr sinnvoll – aber das steht bei mir ja auch noch aus 😉

  3. und das ist genau der Grund warum diese Standardformel Quatsch ist…Wenn man nach Puls trainieren will muss man eben auch in ne Leistungsdiagnostik investieren oder man lässt es gleich ganz weg und trainiert nach Körpergefühl:-) Ich drück dir die Daumen, dass du dein sub 4h Ziel erreichst

  4. Langsame Läufe mit einem Puls von 165 Schlägen? Langsam ist ja relativ :-), aber ich bin mir sicher, dass du danach dein sub 4h schaffst. Ich drück dir jedenfalls schon mal ganz fest die Daumen. Danke für den Artikel, er hat mich in dem gleichen Vorhaben bestärkt. Jetzt muss ich ihn nur noch meiner Liebsten zum Lesen geben, denn Weihnachten kommt bald 😉

  5. Mit hat die Spiroergometrie auch die Augen geöffnet was die Pulsbereiche angeht. Einiges passte (Schwellenbereich), anderes überhaupt nicht (Grundlagen). An den anaeroben Schwelle kann ich ganz gut nach Körpergefühl laufen, aber um die Grundlagen nicht zu schnell zu laufen finde ich den „Drehzahlbegrenzer“ schon sehr hilfreich. Ist immer auch die Frage, ob man ihn zur Kontrolle des eigenen Gefühls nimmt, oder ihn zum Diktator macht.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *