Motivation

Hypnose für Läufer: wie viel ist Kopfsache?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Hypnose bei mir funktioniert – nicht irgendeine tiefe Show-Hypnose, sondern suggestive, therapeutische Hypnose, welche eine gewisse Einstellung zu jenen Dingen schafft, die im Kopf vielleicht unüberwindbar wirken. Gerade sitze ich also mal wieder auf der Couch, blättere erkältungsbedingt durch die gehortete Laufliteratur und stoße dabei immer mal wieder auf die gern gebrachte Ansage, dass beim Laufen ausgerechnet der Kopf eine wirklich äußerst große Rolle spiele.

Laufen ist Kopfsache: einfach wegträumen

Rafael Fuchsgruber beschreibt in seinem Buch Running Wild, dass er -ungewollt- die Fähigkeit besitzt, sich insbesondere bei langen Ultra-Läufen in eine Art Hypnose fallen zu lassen – eine Fähigkeit, die ihm manchmal wohl dabei hilft, besonders lange Strecken gar nicht wirklich wahrzunehmen; die ihn aber leider auch daran hindern kann, einen besonders schönen Lauf bewusst zu erleben, weil ihm das manchmal einfach „passiert“. Gerade bei solchen Ultra-Läufen dürfte es klar sein, wie sehr der Wille, die Psyche und damit der Kopf ihren Beitrag leisten:

Ich für meinen Teil fände es ja prima, wenn ich solche Superkräfte hätte: sobald der Mann mit dem Hammer kommt, switche ich einfach mal spontan auf „Auto-Modus“, klinke mich aus und der Rest erledigt sich dann von allein. Ist aber nicht so, dummerweise. Dabei ist es fast völlig egal, ob es sich nun um 520km Wüstenlauf für einen Ultra-Profi handelt, oder 10 Kilometer bei einem Anfänger: der Kopf muss mitspielen und der Wille, das Ziel zu erreichen muss einfach da sein.

Manchmal laufe ich mich selbst durchaus schon in so eine Art Trance. Ich habe mir irgendwann angewöhnt, die Schritte mitzuzählen, wenn es anstrengender wird; immer in 8er-Schritten. Spätestens nach 15 Minuten wiederholendem Mitzählen kriege ich diese Zahlen aber gar nicht mehr bewusst mit und laufe nur so vor mich hin, dann geht es mir fast wie dem Profi oben: ich achte nicht mehr auf die Natur oder genieße den Lauf, ich zähle nur noch stur durch. Zählen, zählen, zählen, 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 und 8, wieder und wieder, dann von vorne. Einziges Problem: anders als bei Herrn Fuchsgruber funktioniert das Prinzip bei mir nicht wirklich lange, irgendwann, etwa nach 10 Kilometern in diesem Laufstil, ergebe ich mich dann doch.

Da stellt sich mir aber eine Frage: wenn das gleichmäßige Laufen über längere Distanzen doch eigentlich per se schon eine gute Grundlage hergibt, sich durch Konzentration, durch das Bilden eines Fokus und durch sich immer wiederholende Bewegungen eine Art Basis-Trance herzustellen, dann müsste es doch eigentlich mehr als einfach sein, an dieser Stelle durch entsprechende Meditationen, Mantras oder sogar eine Form der Selbst-Hypnose weit mehr aus der Psyche herauszuholen, oder?

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Negative Gedanken beim Laufen

Ich weiß über mich selbst: je länger ich bei einem langen Lauf oder Marathon die negativen Gedanken aus meinem Kopf fern halten kann desto besser. Irgendwann kommt immer der Punkt, an dem ich zum ersten Mal über Alternativ-Strategien grübel: Wenn ich jetzt eine Minute gehe, dann verliere ich nur X Minuten. Wenn ich jetzt alle 5km eine Minute gehe, dann bleibe ich immer noch unter X Stunden – von diesem Moment an weiß ich eigentlich, dass das eigentliche Ziel nicht mehr erreichbar ist. Mein Wille, dieses Ziel zu erreichen ist ab hier ausgeknipst, längst plant der Kopf mögliche Strategien durch, wie es einfacher werden könnte.

Positive Gedanken beim Laufen

Das Gegenteil passiert, wenn ich bei einem solchen Lauf in einer Gruppe laufe: man lenkt sich ab, man unterhält sich, man macht vielleicht Späßchen. Wenn es härter wird, dann unterstützt man sich, man pusht und fordert sich gegenseitig, man feuert sich an. Solange ich abgelenkt bin und gar nicht erst dazu komme, über Ausweichstrategien zu grübeln, bleibt auch der Einbruch aus. Für mich ist das einer der deutlichsten Beweise, wie sehr der Kopf seinen Anteil an einem Lauf und dessen Ergebnis hat.

Im Ergebnis resultieren daraus für mich konkret zwei Ziele: ich muss lernen, mich selbst zu fokussieren und diese Form der Trance aktiv zu steuern, so dass ich es schaffe, mich in diesem Zustand selbst abzulenken, wenn niemand sonst da ist. Ich muss es schaffen, im genau richtigen Moment meine Motivation, meinen Biss, meine Ziele auszugraben, mir vor Augen zu führen und sie zu aktivieren. Die große Frage ist: WIE?

Das Experiment: Meditation, NLP und Hypnose

Während ich also nun – auf meine Weise – physisch Spaß an meinen Trainingszielen habe, muss ich es auch psychisch in den Griff bekommen: zum einen bin ich bei athletesmind.de auf ein verlockendes E-Book gestoßen: der Athletes Mind Tuning Guide (man muss seine Email-Adresse angeben um es herunterladen zu können; da bisher nicht schlimmes passiert ist scheint das aber okay zu sein…), den ich mir nun mal zu Gemüte führen werde.

Was aber viel spannender ist: natürlich gibts auch ne App für das Thema. Ich habe mir also die günstigste Hypnose App für Läufer aus dem App-Store besorgt (1,99 EUR), die ich mir ab jetzt jeden Abend vor dem Einschlafen anhören muss. Natürlich kann man das jetzt für kompletten Schmu halten – aber es kann ja nicht schaden, es mal zu probieren; die Anbieterin hat zwar gefühlte 50 Hypnose Apps für ziemlich jedes Thema herausgebracht, aber man greift ja schließlich nach jedem Strohhalm:

Das Hypnoseprogramm (…) unterstützt Sie jetzt dabei, Ihre sportliche Leistungsfähigkeit und Ihre mentale Willenskraft kontinuierlich zu steigern. Geführt von Kim Fleckenstein, visualisieren Sie während der Hypnose den Ablauf Ihres Trainings oder Wettkampfs und Ihren Sieg. Auf diese Weise optimieren Sie in Ihrem Unterbewusstsein Bewegungsabläufe und setzen die notwendigen Ressourcen frei, die Sie zu Ihrer persönlichen Leistungssteigerung benötigen.

Zuletzt bleibt nur die Frage: hat jemand von Euch Erfahrungen mit Selbsthypnose, Meditation oder Mantras im Bezug auf das Laufen? Wenn ja: her damit!

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

2 Kommentare bei “Hypnose für Läufer: wie viel ist Kopfsache?

  1. Hallo Dominik
    Danke für diesen interessanten Beitrag. Mit Hypnose habe ich mich noch nicht so beschäftig, aber in Yoga Nidra (yogische Tiefenentspannung) bin ich ziemlich versiert. Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht ob ich mal ein Yoga Nidra speziell für Läufer schreiben und aufnehmen soll. Ich kann moir gut vorstellen, dass man damit das Unterbewusstsein zum positiven beeinflussen könnte.
    Was ich selbst immer mache und damit gute Resultate erzielt habe: vor und zum einschlafen sage ich meinem Körper was er am nächsten Morgen zu tun hat. „Morgen laufe ich die 18 Kilometer mit einer 5.10er pace“. Das klappt meistens sehr gut. Und während des Laufens, wenn ich eine Krise habe, gibt es so ein paar Songs die mich vorwärts treiben. Ich habe auch 2, 3 Playlists auf Spotify die nach bpm zusammengestellt sind. Die brauch ich vor allem bei schnellen Intervallen um das Tempo halten zu können.
    Liebe Grüsse Mario

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