Laufen

Hermannslauf 2016: Lauf der Extreme

Was für ein Tag! Mein Debüt beim Hermannslauf 2016 war – trotz aller Empfehlungen und Beschreibungen – am Ende tatsächlich ein wirklicher Lauf der Extreme. Von der ersten bis zur letzten Sekunde wollte dieses Wochenende einfach nicht aufhören mit guten und schlechten Überraschungen aufzuwarten: egal ob in Bezug auf das Wetter, auf die Gesundheit, im Hinblick auf das Essen, oder das Laufen selbst. Was am Ende bleibt: eine hübsche Medaille, ein bisschen Schnupfen und – natürlich – die Vorfreude auf das kommende Jahr.

Hermannslauf 2016: neue Schmerzgrenzen

Ich starte mit eher unangenehmen Gefühlen in das Wochenende: schon in den letzten Tagen der vergangenen Woche meldet sich unerwartet (und besonders unerwünscht) eine Zahn-Wurzel zu Wort: es pulsiert in meinem Kopf, und zwar ordentlich. Während ich es bisher immer noch durch aufwendiges Kühlen abklingen lassen konnte (ein Zahnarztbesuch hätte den Lauf am Sonntag sicher gekippt), erreicht der Schmerz am Samstag tagsüber seinen Höhepunkt: ich drehe fast durch. Was hilft: eine enorme Ladung Ibuprofen, gepaart mit einer ergänzenden Ladung Novalgin-Tropfen stellen den Schädel und den Zahn ruhig, während ich selbst auffallend gute Laune bekomme.

Hermannslauf 2016
Ja, okay, vielleicht gucke ich etwas sehr leidend.

In der Nacht auf Sonntag lässt die Wirkung leider wieder nach – eineinhalb Stunden marschiere ich nachts jammernd durch den Flur, hoch und runter, bis ich mir schließlich noch mal die gleiche Dosis gebe, damit wieder Ruhe herrscht. Es funktioniert: ich bekomme noch mal satte 3 Stunden Schlaf, verzichte sicherheitshalber lieber auf jegliches Frühstück und und düse um 7:20 Uhr mit leerem Magen und leichter Übelkeit los in Richtung Bielefeld, um meine Startunterlagen abzuholen. Weiteres Ziel des Morgens: @schluppenchris und @buzze einsammeln, weil die beiden Hermanns-Veteranen mit Sicherheit noch ein paar gute Tipps für mich haben.

Aus der Bielefelder Innenstadt starten die Bus-Konvois mit fast 7.000 Startern nach Detmold zum Hermannsdenkmal – dem Start des großen Hermannslauf 2016. Noch stimmt die Stimmung auch bei mir, die anderen geben ein paar gute Tipps und ich fühle momentan weder den Zahn, noch den Magen, der gerade wegen der Leere die Schmerzmittel der Vornacht eher suboptimal vertragen hat.

Hermannslauf 2016
Wenn der Deutsche was kann, dann organisieren.
Hermannslauf 2016
Ein bisschen wie Klassenfahrt, nur weniger Süßigkeiten.

Kälteeinbruch am Hermannsdenkmal

Am Denkmal angekommen wird dann aber auch relativ schnell das nächste Extrem deutlich: meine Wahl, „in Kurz“ zu laufen, rächt sich an dieser Stelle: es ist unfassbar kalt. Darauf war ich nicht eingestellt; Schluppen-Chris leiht mir zwar noch eine Windjacke zum drüber ziehen und ich versuche, die nächsten 45 Minuten auf und ab zu hüpfen, aber mir klappern durchgehend die Zähne (oh oha!) bis auf einmal die Wolken verschwinden und die Sonne endlich etwas Wärme liefert: ich bin gerettet (fürs Erste jedenfalls). So ziemlich alle anderen Läufer(innen) sind natürlich gut vorbereitet und schützen sich mit mitgebrachten Lumpen vor der Kälte, die dann einfach am Start zurückgelassen werden – man könnte fast meinen, dass ich sowas zum ersten Mal mache.

Hier trennen sich unsere Wege: während sich meine Begleiter in die vorderen Startgruppen einsortieren, stehe ich – wortwörtlich – ganz hinten; ab dem Startschuss selbst befinden sich hinter mir vielleicht noch 20 andere Läufer, was wieder ein fataler Fehler sein wird: auf der schmalen Strecke gebe ich mir zwar größte Mühe, das Feld von hinten aufzurollen, habe aber kaum Möglichkeiten, problemlos zu überholen. Beim Zickzack-Laufen in hohem Tempo und gelegentlichen Springen über die Äste am Seitenrand geht ordentlich Energie flöten – aber Spaß hab ich trotzdem dabei.

Hermannslauf 2016
Team-Besprechung: @buzze, @schluppenchris und #claudiaohnetwitter
Hermannslauf 2016
Kurzer Moment mit Sonne: es war kälter als es aussieht!
Hermannslauf 2016
Am Start: ich bin mal wieder der Allerletzte.
Hermannslauf 2016
Hier in Berlin wäre sowas übrigens Kunst.

Das Wetter beim Hermannslauf 2016: wechselhaft wie die Gefühle

Während des Laufs war nicht nur die Strecke ein Wechselbad der Gefühle: das Wetter spackte rum wie selten im April. Mal sonnig und wunderbar warm, mal frisch-kalt und graupelig, dann richtig kalt und mit dichten Hagel-Schauern wollte man es uns Läufern und Läuferinnen von Oben wohl ordentlich vielseitig bieten. Genauso verhielt es sich für mich auch bei der Strecke: ohne irgendwelche Trainingseinheiten mit Höhenmetern musste ich alles einfach auf mich zukommen lassen; ich konnte kaum einschätzen, wie viel Energie ich bergab einsetze, um am Berg wiederum entsprechend zu sparen. So war es letztendlich mein Weg: so schnell wie möglich runter, um hoch dann so langsam wie möglich ausruhen zu können. Den Plan muss ich fürs nächste Mal wohl noch mal überdenken…

Hermannslauf 2016
Wintereinbruch beim Hermannslauf 2016
Hermannslauf 2016
Ich hab mir das anders vorgestellt!
Hermannslauf 2016
Die Treppe. Vor lauter Stau gab es nur langsames Gehen als Option.
Hermannslauf 2016
Frühlingseinbruch beim Hermannslauf 2016

Panzerfahren und Volksfeststimmung

Es gibt ja viele Dinge, die man hier und da beim Laufen auf dem Trail zum ersten Mal erlebt – sei es ein Wildschwein, eine Blindschleiche oder von mir aus auch eine ausgerissene Kuh, die mal den Weg in der Natur kreuzt. Durchaus seltener passiert es mir, dass ich durch einen Wald renne, während in 200 Metern Luftlinie ein paar mächtige Panzer der Bundeswehr über den Truppen-Übungsplatz wühlen und recht eindrucksvoll aufzeigen, um wie viel mehr Energie sie denn verfügen, wenn sie durch den Sand der Bielefelder Senne pflügen.

Das ganze militärische Spektakel schüchtert die Bewohner der umliegenden Dörfer allerdings nicht ein: egal ob an der Augustdorfer Panzerstraße, ob im wilden Oerlinghausen oder aber auch auf diversen Abschnitten im Wald: der Support der Zuschauer und deren grandiose Stimmung waren meisterhaft und haben mich tatsächlich über die ein oder andere Anhöhe getragen – Danke dafür!

Hermannslauf 2016

Zieleinlauf an der Sparrenburg in Bielefeld: am Ende bleibt eine verdammt wechselhafte Erfahrung, eine durchaus optimierbare Zeit und das feste Ziel, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Danke, Ostwestfalen, wir sehen uns beim Hermannslauf 2017.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

2 Kommentare bei “Hermannslauf 2016: Lauf der Extreme

  1. Hmm, reizt mich jetzt nicht so. Sieht nämlich sehr überfüllt aus. War wohl auch so. Eine Woche zuvor war ja Bilstein-Marathon hier bei uns in der Nähe. Zwar kein Denkmal, dafür ein Turm, viele Höhenmeter und ein Teilnehmerlimit von 500. Und: wir hatten besseres Wetter! :p

    Ist der Schluppenchris in Schluppen gelaufen?

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