Laufen / Motivation / Training

Einmal Übertraining und zurück

Da hab ich ja laut gebrüllt, als ich vor einigen Wochen meinen wilden Trainingsplan für Rodgau vorgestellt habe: von meinen schönen Herbst- und Winterläufen habe ich schwadroniert, von meinen zusätzlichen Kraft- und Stabi-Einheiten habe ich erzählt. Dass ich nun 3 bis manchmal 4 Mal jede Woche Liegestütz, Kniebeugen und Situps einschiebe, bevor ich dann jedes Mal noch ein Rumpftraining und ein spezielles Beintraining dranhänge. Es gab dann also wirklich diese Tage, an denen ich erstmal 200 Kniebeugen erledigte, dann noch 1 Stunde auf der Sportmatte die Muskeln trainierte, bevor es schließlich noch auf die Laufstrecke ging. Sollte doch dieses Mal endlich wieder etwas Energie in das Training fließen! Wollte ich doch endlich die 5 Stunden knacken, wenn ich in Rodgau 50 Kilometer laufe! Sollte! Wollte! Musste!

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Das Übel kam schleichend, aber schnell

Eine kurze Zeit lang hat das sogar funktioniert – ich hatte tatsächlich das Gefühl, ich würde stabiler laufen, würde mich kräftiger fühlen. Ob das nun ein Placebo-Effekt war oder wirklich passierte: man weiß es nicht. Mann, was schwitze ich mich Workout für Workout durch die Tage, ich war doch so ein Energiebündel!

Dann kamen sie, die kleinen Zeichen. Die Beine fühlten sich matt an, wollten aber so gerne zappeln. Das Einschlafen verschob sich erst um eine, dann um zwei, schließlich um drei Stunden. Das Durchschlafen, das wollte auch nicht mehr so richtig funktionieren. Morgens fühlte ich mich wie durchgekaut und wieder ausgespuckt, machte aber weiter – vielleicht hatte das ja auch gar nichts miteinander zu tun.

Die Läufe – das eigentliche Training –  wurden mühseliger, anstrengender. Es wurde zusehends schwieriger, meine Pace zu halten, ohne den Puls hochzutreiben; irgendwas passte da nicht mehr. Noch schlechter einschlafen, manche Nacht nur 3, vielleicht 4 Stunden Schlaf. Die Konzentration ließ nach, ich fühlte mich gereizt, schnell genervt, ermattet. Der Alltag funktionierte nicht mehr. Wenn auch nur 2 Wochen – aber der Peak dieses Zustandes war nicht auszuhalten: ich musste die Notbremse ziehen.

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In der Ruhe liegt die Kraft

Also: Vollbremsung. Eine Woche komplette Pause, kein Lauf, kein Workout, keine Kniebeugen. Nach 3 Tagen schlief ich wieder durch, nach 5 Tagen konnte ich wieder einschlafen – die Beine waren nicht mehr zappelig. Die Kopfschmerzen vergingen, ich wurde ruhiger, ich entspannte mich; ein wohl sehr klares Zeichen, dass ich ordentlich übertrieben hatte.

In der nächsten Woche fing ich das Laufen wieder an – die Workouts blieben aber erstmal tabu. Auch das klappte wieder: ich hielt mich zwar nicht an die Pace, um erst mal wieder ein gutes Gefühl zu entwickeln, aber die Distanzen waren wieder machbar. Es machte sogar direkt wieder Spaß.

Ab der dritten Woche durfte auch das Stabi-Training wieder ran. Aber nicht 3 bis 4 Mal, sondern nur 2 Mal die Woche. Und auch nicht Kraft-Rumpf-Beine sondern entweder Kraft-Rumpf ODER Kraft-Beine. Ich glaube, wir haben uns damit jetzt ganz gut arrangiert, mein Körper und ich; wir haben Frieden geschlossen.

Jetzt bleibt noch ein letzter Monat bis Rodgau – und ich freue mich endlich wieder drauf.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

7 Kommentare bei “Einmal Übertraining und zurück

  1. Ich freue mich, dass Du die Zeichen erkannt und damit die Gefahr gebannt hast. Eine doppelte gleich, zum einen es solange zu übertreiben, bis eine Verletzung zum Kurswechsel zwingt und zum anderen, ebenso furchtbar, schlicht einfach die Lust ganz zu verlieren. Großartig! Applaus + Respekt!

  2. Wow, so viel Kraft und Ruhe muss man wirklich erst einmal aufbringen. Mal davon abgesehen, dass zwar Zeichen da waren, aber die eben auch gedeutet werden wollen. Es freut mich auch, dass du das so gut hinbekommen und nun auch wieder Spaß am Laufen hast. Eine schöne Zeit wünsche ich dir noch bis Rodgau. Zunächst aber ganz wunderbare Feiertage im Kreise deiner Lieben!

  3. Wirklich Respekt, dass Du die Woche Pause durchgezogen hast! Die Grenze zu erkennen und auch zu handeln ist immer eine echte Gradwanderung und es freut mich dass Du rechtzeitig gehandelt hast und jetzt wieder Trainieren kannst.

    In diesem Sinne, bis Ende Januar in Rodgau!

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