Marathon / Motivation / Training

Der typische Intervall-Lauf

Prolog: Vorabend | Ich bin gut vorbereitet, freue mich sogar auf das Intervall-Training! Die besten Sportklamotten sind frisch gewaschen, die Schuhe stehen bereit, ich werde mich großartig, eher fantastisch fühlen, wenn ich in der Morgensonne meine Runden drehe; ich glaub ich bin grad richtig gut dabei! Zur Sicherheit nur noch ein kleines Müsli vor dem Schlafen und dann schnell ab ins Bett – extra früh, damit ich auch wirklich genug Schlaf bekomme… 

Denkste.

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So wäre mir ein Intervall-Training eigentlich am liebsten…

 

Nachtruhe | Das war also der Plan: mit etwas Glück kommen so geschlagene 7 Stunden Schlaf zusammen, was für meine Verhältnisse schon als „Dornröschen-Schlaf“ gelten dürfte. Dummerweise spielt mein Kopf da aber nicht mit – rund 2 Stunden lang singt Tony Holiday da drin lieber „Tanze Samba mit mir„, statt die grauen Zellen ruhen zu lassen; als ich endlich einschlafe fühlt es sich bis zum Morgen dann auch eher an, als hätte ich für grobe 5 Stunden bloß vor mich hin gedöst, statt zu schlafen.

Aufstehen | Die Wahrheit kommt minimal anders: als ich den Wecker schließlich höre, sehe ich, dass er offensichtlich schon seit 13 Minuten klingelt, was damit schließlich zur Folge hat, dass ich bis zum Trainingsstart deutlich weniger Zeit zum Wachwerden bekomme – um 5:13 Uhr morgens passt mir das herzlich wenig in den Kram. Der Start wird spontan um 10 Minuten verschoben.

Vorbereitung | Ein Kaffee und ein Morgen-Müsli müssen sein, sonst erbreche ich mich spätestens nach dem zweiten Intervall irgendwo auf die Laufstrecke. Mir fallen während des Kauens noch die Augen zu und ich kleckere Kaffee auf mein frisch gewaschenes Lieblings-Laufshirt, ich stelle außerdem fest, dass meine Laufuhr noch aufladen muss, sonst verweigert auch die ihren Dienst. Der Start wird spontan um weitere 10 Minuten verschoben.

Trainingsstart | Statt um 6 Uhr geht es nun also um 6:26 Uhr aus der Haustür (für die Rechenkünstler: weitere 6 Minuten habe ich einfach vertrödelt), wo ich noch mal 4 Minuten rumstehe – die Uhr sucht den Satelliten, der pennt auch noch. Kurz nach 6:30 Uhr geht es endlich los: 2 Kilometer langsam aufwärmen, 4x 2000 Meter bei 4:55 min/km, zwischendruch je 3 Minuten Trab-Pause, am Ende wieder 2 Kilometer auskühlen.

Aufwärmen | Boah – die Muskeln sind heute aber schwer wie Blei! Gottseidank heißt es „langsam aufwärmen“, also mache ich das auch mal lieber GANZ langsam. Ist ja nicht schlimm, schließlich laufe ich gleich noch Intervalle und kann dabei noch glänzen. Sieht mich ja jetzt auch keiner. Und wer mich doch sieht, ist selber Läufer(in) und weiß ja garantiert, dass langsames Laufen ALLES bedeuten kann. Aber hoffentlich sieht mich jetzt TROTZDEM noch keiner. Vor allem mit dem Kaffee-Fleck!! Orrr!

Intervalle | Das erste Intervall fluppt wie ne Eins, da kann man nicht meckern. Auch wenn das jetzt gerade keine 400Meter-Hochgeschwindigkeits-Intervalle sind, reicht mir das Tempo doch für diese frühe Morgenstunde; die erste Trabpause von 3 Minuten kommt mir sehr gelegen. Das zweite Intervall ist da schon etwas deutlicher in der Atmung zu spüren, ich freue mich schon auf den folgenden Trab, um meinen Puls wieder runter zu bringen. Intervall Nr. 3 macht mir klar, dass ich mein Schlafdefizit vielleicht mal durch ein paar kurze Nickerchen am Tag ausgleichen sollte: mein Puls liegt locker 20 Schläge über dem Soll, was später wieder meine Prognosen für den Marathon zerstören wird – die 3-minütige Trabpause verwandle ich in eine 3-minütige Geh-Pause: der Puls muss runter!! Letztes Intervall –  ich kann grad an nichts anderes denken, als meinen kalten Shake, der zuhause wartet. In diesem Intervall laufe ich durchgehend 10 Sekunden langsamer, als ich eigentlich soll, aber mehr geht grad einfach nicht. Ich habe keine Lust mehr und schlendere locker durch die finale Trab Geh-Pause.

Abkühlen | Weil ich also zwei Trab-Pausen als Geh-Pausen zurückgelegt habe und im letzten Intervall deutlich langsamer war, entschließe ich mich, mindestens 1 von 2 Abkühl-Kilometern zusätzlich im Intervall-Tempo zu laufen, sonst rege ich mich am Ende nur wieder über meine durchschnittliche Pace auf. Ich bin ja Meister darin, mir meine Statistiken schönzurechnen, das kann ich problemlos auch noch während der Läufe – mir fällt es dann auch überhaupt nicht mehr schwer, den letzten noch verbleibenden Kilometer NICHT zum Ende zu laufen, weil ich 13 Kilometer in Summe völlig ausreichend finde. Das passt schon. Irgendwie.

Zuhause | Die Liebste öffnet die Tür:

Wie war Dein Lauf?
Ach, easy wie immer“ antworte ich.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

Ein Kommentar bei “Der typische Intervall-Lauf

  1. Schöner Beitrag, ich hatte letzte Woche 6*2000m in 4:00 – der letzte Intervall war ein Kampf. Entsprechend sieht auch das Tracking aus, Zieltempo, unter Zieltempo, Zieltempo … Viel Erfolg noch

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