Laufen mit Hund

Der Hund läuft nicht ganz rund.

Wir lassen uns ja hin und wieder dazu verleiten, bei lockeren Dauerläufen den Hund mitzunehmen – denn aus irgendeinem Grund funktioniert das Langzeitgedächtnis da jedes Mal nur bedingt: wir vergessen einfach, wie nervig der Falten-Freak dabei sein kann.

Passend dazu war gerade erst im Runtastic-Blog von deren Redakteurin Vera zu lesen: „18 Gründe, warum Du mit Deinem Hund laufen solltest“ – und dieser Beitrag wird nun aufzeigen, warum aus diesen 18 Gründen nur wenige wirklich haltbar sind. Sofern man denn einen normalen Hund hat hätte.

Laufen mit Hund | Emma1

Eine Gegendarstellung einiger Punkte …

Punkt 1: Mehr Freude beim Laufen
Man nimmt die Leine und der Hund hüpft und jault vor Freude. Diese Szenen kennt jeder Hundebesitzer (…)

Die Wahrheit: Unser Hund hüpft nicht und er jault nicht. Eigentlich hüpft oder jault sie nur dann, wenn es völlig unangebracht ist – in etwa bei fremden Menschen (unfreundliches Hüpfen), bei anderen Hunden (sehr unfreundliches Hüpfen) oder wenn die „Großeltern“ zu Besuch sind (fanatisches, nicht enden wollendes Hüpfen).


Punkt 3: Er ist der sympathischste Trainingspartner
Dein Liebling wird immer schneller sein als du.

Die Wahrheit: An unserem Hund ist nichts sympathisch, wenn man mit ihr läuft. Wirklich nicht. Dazu kommt: solange sie an der Leine läuft, hat sie spätestens nach 3 Kilometern keinen Bock mehr, was sie entweder durch Vorwärtsrollen im Grass ausdrückt (wobei sie sich in die Leine einwickelt), oder aber stur 2,5 Meter hinter uns her trottet.


Punkt 5: Dein Immunsystem profitiert davon
Denn unsere lieben Vierbeiner lassen sich von Schnee oder Regen nicht abhalten. (…)

Die Wahrheit: Bei Schnee und Regen drückt sich unser Falten-Freak pausenlos eng an jeder Hauswand entlang; für das „Geschäft“ entfernt sie sich maximal 12 Zentimeter von der Eingangstür.


Punkt 6: Pusht dich optimal
Indem dein Hündchen wahrscheinlich etwas vor dir laufen wird, pusht er dich optimal

Die Wahrheit: Siehe Punkt 3. Da pusht niemand.


Punkt 9: Du wirkst attraktiver
Menschen, die Sport treiben, haben generell eine positive und sympathische Wirkung auf andere. Wenn sie aber noch tierlieb und mit ihrem Hund unterwegs sind, steigen sie im Attraktivitäts-Ranking weiter.

Die Wahrheit: Wenn wir mit unserem Hund unterwegs sind – egal ob zu zweit oder alleine – liegen 100% der Aufmerksamkeit auf Konfliktvermeidung. Läuft die Dame des Hauses alleine mit Hund, würde dieser vermutlich jeden Mann töten, der sich ihr auf 4 Meter nähert (hab ich ihr heimlich beigebracht.)


Punkt 11: Du kannst dir eine Pause gönnen
Die Pinkelpausen oder Begrüßungsrituale mit anderen Hunden kannst du optimal nutzen, um (unauffällig) zu verschnaufen.

Die Wahrheit: Begrüßungsrituale? Vernichtungsrituale! Der Falten-Freak begrüßt nicht, er beobachtet, trennt von der Herde, hetzt und zerlegt. Zumindest ist das der Wunsch.


Punkt 13: Der geduldigste Partner überhaupt
Obwohl dein Hund ein paar Meter vor dir laufen wird, passt er sich doch geduldig an dein Tempo an.

Die Wahrheit: Geduld UNGLEICH Falten-Freak.


Punkt 14: Hund und Herrchen werden sich ähnlich
Im Laufe der Zeit werden sich Hund und Herrchen immer ähnlicher.

Die Wahrheit: Stimmt. Wenn ich abends draußen neue Menschen kennenlerne, dann schreie ich sie erstmal an, laufe zu ihnen rüber, schubse sie gegen die Bar und baller ihnen direkt eine. Wenn sie wieder aufstehen wollen, knallt’s noch mal.


Punkt 15: Ein ruhiger Hund im Haus
Ist ein Hund unterfordert und unterbeschäftigt, kann er ziemlich unausstehlich werden. Bekommt ein Hund genug Auslauf und wird gefordert, ist er danach ausgeglichen und brav wie ein Lämmchen.

Die Wahrheit: Das ist eine recht allgemeine Aussage. Wenn man zufällig einen Hundewelpen erwischt, dessen Stress- und Frustrations-Resistenz gen Null geht, kannst Du 27 Stunden am Tag trainieren, 5 Hundetrainer verschleißen und 4 Tierärzte bezahlen – brav wie Lamm am Arsch!


Punkt 16: Deine Flirtchancen steigen
Studien zeigen, dass man über den Hund viel besser ins Gespräch kommt. Vor allem für Singles dürfte es also von Vorteil sein, den Hund mit zum Joggen zu nehmen. Vielleicht trifft man auf ein anderes Duo?!

Die Wahrheit: Gestern mit dem Falten-Freak gelaufen – zeitgleich war eine Läuferin mit ihrem Hund im Park. Abgesehen davon, dass ich natürlich überhaupt nicht Flirten will: 7 Mal in 7 Runden aneinander vorbeilaufen führt bei beiden Parteien synchron zu folgenden Ausrufen: „Hiiiieeeeer… bleiiiiiiiib…. hiieeeeeer…. ruuuuuhig… feeeeeeeeeeein!!


Fazit: Bloß nicht romantisieren. Oder sicherheitshalber irgendwo trainieren, wo ein Sicherheitsabstand von 37 Kilometern zur Zivilisation vorhanden ist!

Laufen mit Hund | Emma2

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

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