Laufen

Aufsteh-Lauf-Männchen.

Morgenlauf. Um 5 Uhr klingelt der Wecker, damit ich bis zum Lauf mindestens eine Stunde habe, die ich zum Wachwerden brauche. Ich schleppe mich benommen durch die Wohnung, mache mir erstmal einen Kaffee, ich brauche das Koffein. Einen zweiten gibt es kurz vor dem Lauf, damit der Kreislauf in Gang bleibt, weil das kleine Schälchen Müsli auf dem Balkon nun nicht grade wahnsinnig viel Energie liefert. Noch etwa eine halbe Stunde, ich ziehe mich an, immer noch etwas müde, aber so langsam werde ich klar – und die Vorfreude beginnt.

Bildschirmfoto 2013-08-08 um 21.10.09

6 Uhr. Ich verlasse das Haus, starte meine Garmin-Uhr, die grundsätzlich länger braucht, bis sie einen Satelliten findet, wähle meine Spotify-Playlist aus und starte Runtastic auf dem iPhone mit dem entsprechenden Training aus dem Plan. Ein paar Vögel lachen mich aus (glaube ich), die Nachbarn schlafen noch, die Luft ist angenehm frisch. Die weibliche Stimme aus der App zählt den 30-Sekunden-Countdown bis zum Start, ich laufe langsam an, um nicht aus dem Stand zu starten. Es geht los.

Ziel heute: 15 Kilometer langsam. Ganz locker, kein Tempodauerlauf, ganz entspannt. Für mich heißt das, dass ich eine Pace irgendwo um die 5:30 Min / Kilometer laufen muss; für andere Sportler sicher eher langsam, für mich aber genau richtig in diesem Fall. Die ersten 5 Kilometer muss ich grundsätzlich darauf achten, nicht zu schnell zu werden: ich bin ausgeruht und fit, oft passiert es, dass ich genau dann Energie in der ersten Hälfte eines Laufs verschwende. Aber die Uhr und die App bremsen mich, ich bleibe ruhig, verfalle in irgendwelche Tagträume. Alles easy.

Zwischen Kilometer 5 und 10 geht es leicht bergauf – nicht besonders stark, aber man merkt es schon. Jetzt laufe ich über die Feldwege, vorbei an den Obstfeldern der Ortenau, vorbei an Kirschbäumen, an Apfelbäumen, vorbei an den Ausläufern des Schwarzwaldes. Keine Autos, kein Verkehr, nur gelegentlich mal andere Läufer. Inzwischen wird es auch merklich wärmer, der Schweiß läuft, die ersten Bremsen greifen an, ich atme nicht mehr „normal“, sondern etwas konzentrierter. Das macht Spaß.

run

Letztes Drittel. Jetzt noch mal Gedankenspiele – was steht heute an, was plane ich, was ist noch zu tun? Wenn ich viel denke, dann merke ich das Laufen kaum – das hilft. Ich stelle die Playlist um: ab jetzt schnellere, etwas härtere Musik. Ich brauche E-Gitarren, eine Doublebase, Kraft. Die Sonne steht jetzt oben, wenn keine Wolken am Himmel sind, dann wird es gut warm, auch wenn es noch vor 8 Uhr ist. In der Bewegung merkt man das. Der Rückweg entlang der Bundesstraße, der Berufsverkehr glotzt mich an. Ich glaube, dass ich durch die geschlossenen Scheiben höre, wie sie reden: „Das könnte ich ja nicht, so früh“. Oder „warum sehen Läufer eigentlich immer so scheiße aus?“. Irgendwie sowas halt. Aber es spornt an, macht schneller.

Die Stimme zählt plötzlich „3 … 2… 1…. Intervall beendet“ – und ich laufe aus. Fühlt sich gut an.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

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