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Adrenalin in den Adern – und an den Füßen.

Es ist mir ja immer etwas abgegangen, dass ich hier im flachen Berlin kaum Möglichkeiten habe, auch mal richtige Trails zu laufen – anders als noch vor ein paar Jahren im Schwarzwald.

Weil es hier dann aber doch ein paar Wege gibt, die man zumindest im Ansatz als „trailig“ bezeichnen kann (so etwa im Grunewald), habe ich mir dann doch den passenden Trail-Schuh dazu ausgesucht: den BROOKS Adrenaline ASR 11 (Link: Amazon), den ich mir im Zuge meiner Schreiberei als Runhappy-Läufer dort auswählen durfte.

BROOKS Adrenaline ASR

Adrenalin ist ein Stresshormon und schafft als solches die Voraussetzungen für die rasche Bereitstellung von Energiereserven, die in gefährlichen Situationen das Überleben sichern sollen: Kampf oder Flucht“ (Wikipedia)

Wie passend! Da man mein Lauftraining sowieso als immerwährenden Kampf bezeichnen kann und eine schnelle Flucht ja genauso auch als schnelles Rennen interpretierbar ist, habe ich in meiner Wahl wohl goldrichtig gelegen.

Das Dumme ist: ich bin ja auch ein „visueller“ Mensch. Also durften die guten Dinger erstmal ein paar Tage leuchtend, strahlend und blinkend auf einem Regal thronen – schließlich musste ich sie vor einem ersten Einsatz ausgiebig betrachten, während sie ihre neue Umgebung kennenlernten. In dieser Phase des „Visualisierens“ also wurde mir klar, dass ich mir eine recht relevante Sache kaum vorstellen kann: die Adrenalines tatsächlich irgendwann auf einem nassen oder vielleicht sogar schlammigen(!) Trail einzusetzen. Die werden doch schmutzig!!

Gut – irgendwann kommt der Tag, an dem ich auch mit dieser Tatsache leben können werde, schließlich will ich endlich wieder abseits von Asphalt, Ampeln und Berliner Hippie-Treffs etwas schöne Zeit zwischen Bäumen, auf Laub und Geröll verbringen. Und: erst kürzlich warnte jemand davor, dass in den Abendstunden im Grunewald kleinere Gruppen von Wildschweinen ihr Unwesen treiben – da sind ein paar schnelle Schuhe sicher nicht all zu verkehrt.

wildschweine grunewald

Aber über die Optik hinaus muss so ein Schuh natürlich ein bisschen mehr können – und Eigenschaften bieten, die Sinn machen. Also was kann der Schuh, was davon braucht man und wie fühlt es sich an?

Im Grunde vielleicht doch eher ein Straßen-Laufschuh?

Man muss vorab sagen: eigentlich ist der Adrenaline ASR 11 eher ein Standard-Schuh – und wird wohl daher auch als „On- und Off-Road-Schuh“ beworben. Im Großen und Ganzen sollte ein Trail-Schuh nämlich folgende Eigenschaften aufweisen:

  • flache und flexible Sohlen (damit man den Untergrund fühlt und nicht umknickt)
  • sie sollten eine griffige Außensohle haben und
  • ein wasserabweisendes Obermaterial aufweisen
  • die Torsion sollte extrem gut sein

Die Sohlen des Adrenaline ASR 11

Naja – flach und flexibel ist leider etwas anderes. Die Sohlen sind wirklich eher ziemlich dick und stabil und entsprechen nicht unbedingt diesen gewünschten Merkmalen – ganz im Gegenteil: gerade diese maximale Stabilität ist eine der Eigenschaften, mit denen der Schuh angepriesen wird. Mein erster Test-Lauf zeigt auch deutlich: auf der On-Road-Strecke fühlt sich das wirklich fantastisch an, aber ein echtes Gefühl für den Boden im Wald fehlt mir da am Ende… Ich bin also erstmal etwas verwirrt.

Gegen das Überpronieren: die „PDRB-Technologie“

Eieiei… in Marquardt’s „Laufbibel“ heißt es dazu:

… aber für schwierige Single-Trails sind dicke Sohlen mit Pronationsstützen nicht das richtige.

Ich bin wieder ratlos: der Adrenaline ASR 11 hebt auch hier wieder genau diese Eigenschaft als „Wunderwerk der Trail-Technologie“ an. Entweder gilt hier wieder, dass sowieso jeder eine andere Meinung hat, oder ich habe mich tatsächlich von der schönen Optik blenden lassen. Vermutlich beides.

PDRB Brooks

Die Torsion des Adrenaline ASR 11

Ein Trail-Schuh soll also maximale Torsion aufweisen: fasst man den Schuh mit einer Hand am Ende und mit der anderen an der Spitze, soll man ihn problemlos in sich drehen können. Der Grund: der Vorfuß steuert die Abdruckphase des Fußes über die Innenseite, während die Achilles-Sehne den hinteren Teil des Fußes nach Außen hebelt. Auf joggen.net heißt es dazu:

… Wie oben bereits genannt, ist die Torsion – gerade in unebenem Gelände –eine wichtige Eigenschaft für den Fuß, um sich anpassen zu können. Dadurch wird zum einen das Verletzungsrisiko gemindert und zum anderen eine bessere Übertragung und Verteilung der Aufprallkräfte erreicht. Läuft man mit einem wenig flexiblen Schuhwerk, z.B. Laufschuhen mit hoher Stabilität (Stabilschuhe), in unebenem Gelände oder im Wald (Trail) besteht ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko.

Leider muss ich auch hier zugeben: oh oh. Oh Oh! Das hält sich dann aber wohl eher in etwas kleineren Grenzen – ich kriege es jedenfalls nicht hin, den Schuh problemlos und leicht in sich zu drehen.

FAZIT: Super Schuh – aber eher für die Straße, als für den Trail

Um das klarzustellen: der Schuh fühlt sich wirklich großartig an, da gibt es keinerlei Zweifel. Was allerdings die Betitelung als Trail-Schuh angeht, da bin ich mir nicht ganz so sicher. Dafür wirkt er mir ein wenig zu schwer und steif, so dass ich ihn zukünftig mit Freuden auf meinen „normalen“ Strecken tragen werde – insbesondere im Herbst wenn es regnet. Wenn ich aber demnächst nochmal die Trails der Sierra Quesada belaufen werde, dann muss ich mir doch noch mal die Alternativen anschauen – vielleicht den PureGrit 3 oder den PureGrit 4.

End-Dreißiger, mäßig talentierter Läufer (nicht schnell, dafür aber wirklich leidenschaftlich) und jederzeit gern auch auf zwei Rädern unterwegs. Vegetarier mit veganen Tendenzen, liebt den Schwarzwald, läuft durch Berlin.

2 Kommentare bei “Adrenalin in den Adern – und an den Füßen.

  1. Hi! Ich bin heute zum ersten Mal hier und habe mich gleich festgelesen. Dieser Artikel ist prima… und die anderen die ich gelesen habe ebenfalls. Danke für die Detailfreudigkeit.
    Ich schau demnächst hier sicherlich öfter mal vorbei.
    … und den Adrenalin laufe ich selbst auch, allerdings nie auf Trails, dafür hat er zu wenig Grip, finde ich.
    Viele Grüße,
    Claudi

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